Bayerische Ostgesellschaft e.V.
 

Veranstaltung im Juni

Einladung zum Vortrag am Montag, 20. Juni, 19 Uhr, im Haus des Deutschen Ostens, am Lilienberg 5, 81669 München, 2. Stock
Prof. Dr. Martin Fincke
Deutsch-Russische Hochschulkooperationen eingefroren;
Bleiben interkulturelles Verständnis und Freundschaft auf der Strecke

Bereits vor Corona hatten wir mit Prof. Fincke einen Vortrag zu den Verfassungsänderungen der Russischen Föderation vereinbart, doch kam er dank der pandemisch bedingten Einschränkungen nicht zustande. Inzwischen hat sich durch den Krieg die Situation grundlegend geändert und es bleibt nur, auf  die vielen Verluste hinzuweisen, die in sicher gewähnten Kontakten und Beziehungen zu beklagen sind, in diesem Fall im Bereich deutsch-russischer wissenschaftlicher Zusammenarbeit.
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine haben die deutschen Wissenschaftsorganisationen die Finanzierung laufender Austausch- und Kooperationsprogramme stark eingeschränkt, „eingefroren“, die Hochschulen sind dem auch unabhängig von der Finanzierung weitgehend gefolgt, zum Teil noch restriktiver, indem sie z.B. russische Kollegen nicht mehr zu Forschungsaufenthalten einladen und jedenfalls keine Deutschen (Studenten und Dozenten) mehr nach Russland entsenden. Die Verweigerung erstreckt sich damit auch auf russische Kollegen, die sich gegen den Ukrainekrieg ausgesprochen und so selbst gefährdet haben, sodass sich die Frage nicht mehr stellt, ob wir von Kooperationspartnern ein Bekenntnis für oder gegen den Einmarsch verlangen sollten.
Der Referent ist mit vielen russischen Kollegen seit Jahrzehnten vertraut, darunter mit solchen aus beiden Lagern. Sind die jahrzehntelangen Bemühungen um deutsch-russische Hochschulzusammenarbeit damit ihrer Früchte beraubt? Beeinträchtigt ist ja auch die deutsch-ukrainische Kooperation.
Dabei begann der Isolationsprozess schon vor dem Krieg, damals als russische Selbstisolation. Die russische Politik zunehmender Nachrichtensteuerung hat ja noch früher begonnen, quasi zur Kriegsvorbereitung. Jahrelang hat sich der Referent selbst dieser Propaganda ausgesetzt, in dem er mehr Zeit in russischen Internet-Nachrichten verbracht hat als in deutschen Medien. Er kann daher ein Bild von dem zeichnen, wie sich die Informiertheit russischer Kollegen mit Relevanz für das Verhältnis zum Westen darstellt.  Seine Erkenntnisse stimmen nicht nur traurig, sondern wecken auch Verständnis für die Haltung derjenigen, die keinen Zugang zu ausländischen Medien haben.